Make or Buy? Darauf kommt es an

Kostendruck führt zu Abhängigkeiten

Führt das Coronavirus dazu, dass das Spital seine Sourcing-Strategie überdenkt? Gute Frage, sagt Blättler. «Früher kamen die Server aus Schottland, die Festplatten aus dem Allgäu. Heute ist alles aus Foxconn City.» Ein Hardware-Projekt scheitere gerade daran, dass ein Kabel nicht verfügbar sei. «Es steckt irgendwo in einem Container zwischen Shenzhen und Sarnen.» Vor zu viel Buy warnt er. «Wenn wir mehr auslagern, werden Fachinformatiker durch Fachjuristen ersetzt.» Diese würden dann nicht «Bits and Bytes», sondern Paragrafen und SLAs kontrollieren.
“Früher kamen Server aus Schottland, Festplatten aus dem Allgäu. Heute kommt alles aus Foxconn City„
Roland Blättler, Kantonsspital Obwalden
Das Virus habe dazu geführt, dass das Spital fast ausschliesslich auf Microsoft Teams setze. Das Personal stelle vor Ort das absolute Minimum an Support sicher und die Zusammenarbeit erfordere mehr Vertrauen und Disziplin. Denn auch in Zeiten von Corona müsse das Team seine Rapporte durchführen, Aufträge diskutieren und diese an die Belegschaft weiterleiten.
Der brutale Kostendruck in den Spitälern habe allerdings einen «Race to the Bottom» entfacht – immer günstiger, immer billiger. Das Spital müsse sich darum genau überlegen, wie es seine Produkte auswähle, um solche Abhängigkeiten zu vermeiden. Eine Diversifikation der Hardware sei aber schwierig. «Wir am KSOW können uns das nicht leisten und müssen zwischen Teufel und Beelzebub wählen: Produkt aus Amerika oder aus China? ‹Made in China› sind beide.»

An AWS und Azure kommt niemand vorbei

Ein Sourcing-Manager einer internationalen Grossfirma, der anonym bleiben möchte, konstatiert ebenfalls einen erhöhten Kostendruck. Die Digitalisierung laufe 
immer rasanter. Der Trend gehe darum zu mehr Buy. «Mit mehr Make würden wir Gefahr laufen, den Anschluss zu verpassen.»
Auch Blättler ist klar, dass das KSOW mit grosser Wahrscheinlichkeit an Services wie AWS und Azure nicht vorbeikommt. Ganz nach dem Motto Make für die Kernkompetenz, Buy für repetitive Dinge, die man automatisieren und kostengünstig skalieren kann.
Jürg Rahm, Leiter Finanzen & Informatik der Spitäler Schaffhausen, rechnet mittelfristig ebenfalls mit der Auslagerung eines signifikanten Teils des Grundbedarfs. Ein komplettes Outsourcing sei aber keine Option. Die Spitäler Schaffhausen verantworten aktuell den Betrieb der Server, den First-Level-Applikationssupport und das Customizing der Klinikinformations- und Patientenadministrations­systeme.
Auch die Kommunikationsinfrastruktur und spezifische Fachapplikationen sind inhouse angesiedelt. Der Fokus auf die Applikationen werde sich wohl verstärken. Man könne auf diese Weise die Leistungsqualität optimieren, ohne höhere Kosten zu erzeugen, erklärt Rahm.


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