Make or Buy? Darauf kommt es an

Coronavirus ändert den Sourcing-Mix

Die meisten der Befragten geben an, dass das Coronavirus den Sourcing-Mix nicht ändert – aber nicht alle. «Diese Krise ist eine Bestätigung unserer Make-Strategie, die wir schon immer verfolgten», sagt etwa Opacc-CEO Beat Bussmann.
Auch die Haecky Gruppe plant keine Änderungen. Man nutze ja bereits verschiedene Bezugsquellen, um unabhängig zu bleiben. Bei Leuthard Bau sieht man ebenfalls keinen Anlass, etwas zu verändern. «Das ist nicht nötig, da wir bei unseren Partnern fast ausschliesslich auf Made in Switzerland setzen», begründet Furrer. Die Zusammen­arbeit sei in Zeiten von Corona nicht schwieriger geworden. Einige Termine vor Ort könne man zwar nicht mehr wahrnehmen. Es gebe aber klare Regeln, an die sich alle halten. Und die Kommunikation mit den Partnern funktio­niere weiterhin gut, freut sich Furrer.
Ein CFO im Versicherungsmarkt, der anonym bleiben will, teilt der Redaktion mit, dass es mit dem Outsourcing-Partner wegen Corona keine Probleme gebe. Im Gegenteil: Die kürzlich durchgeführte Auslagerung der IT in ein externes Rechenzentrum und der flächendeckende Einsatz mobiler Endgeräte ermögliche nun die Aufrechterhaltung der Geschäftsprozesse, etwa mit mobilen und flexiblen Möglichkeiten im Home-Office-Bereich.
“Wir gehen davon aus, dass es in der Lieferkette früher oder später zu Engpässen kommen wird„
Simon Schmidt, Wilux Print
Entwarnung gibt auch Simon Schmidt, Leiter Technik von Wilux Print. Das Unternehmen aus Hinwil realisiert Lösungen für die Überwachung des Warenflusses mittels Barcodes. «Da wir die meisten Produkte von lokalen Dienstleistern beziehen, müssen wir unseren Sourcing-Mix nicht ändern», sagt Schmidt. «Wir gehen aber davon aus, dass es in der Lieferkette früher oder später zu Engpässen kommen wird, weil gewisse Teile oder Materialien fehlen.»
Handlungsbedarf erkennt man bei Hengartner Elektronik aus Chur. «Wir versuchen, jetzt noch mehr in der Schweiz zu fertigen, um weniger von der Logistik abhängig zu sein», sagt Richard Eberhard, Leiter Vertrieb und Marketing. Einige der Fertigungspartner seien teilweise in Südostasien angesiedelt, und die Auswirkungen auf die Supplychain und Logistik seien ungefähr dieselben wie in Europa. «Die Globalisierung wird nun wenigstens teilweise durch Lokalisierung abgelöst», resümiert Eberhardt.

Monster-Telkos fordern Sitzleder

Dass das Coronavirus für die Unternehmen eine spezielle Situation ist, bestreitet niemand. «Es ist eine ziemliche 
Herausforderung, alles via Telefon- und Videokonferenzen zu planen und zu organisieren», sagt zum Beispiel Jörg 
Augustin, Geschäftsführer von HSL Informatik aus dem Fürstentum Liechtenstein. «Externe Partner waren in der ersten Woche gefordert, sich den geänderten Anforderungen anzupassen», erklärt Blättler vom KSOW.
Workshops zu technischen Themen seien in Monster-Telefonkonferenzen ausgeartet, was Sitzleder, Durchhaltewillen und Konzen­tration erfordert habe. Möglich sei das nur, wenn es auch bei den Partnern eine fürsorgliche sowie konstruktive Unternehmens- und Kommunikationskultur gebe.


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