SAP Innojam 18.03.2018, 20:39 Uhr

Team von Q-Perior gewinnt SAP-Hackathon

Sieben Projekte, drei Tage, ein Sieger: SAP Schweiz hat in Basel seinen Hackathon Innojam veranstaltet, parallel zum Kundenevent Live Campus. Das Siegerteam überzeugte mit einer Lösung, die den Austausch zwischen Kunden und ihren Versicherungen deutlich vereinfachen könnte.
Sieben Teams haben am SAP Innojam Prototypen für Software-Lösungen mit SAP-Technik entwickelt.
(Quelle: SAP)
Im Basler Swissôtel hat SAP Anfang dieses Monats seinen Innojam veranstaltet. Während des oben im Hauptsaal der Kundenveranstaltung Live Campus Entscheider in aller Ruhe über die aktuellen Produkte und Kundenprojekte informierten, ging es zwei Stockwerke tiefer hektisch zu und her.
Am Live Campus zu dem sich während zwei Tagen insgesamt rund 3000 Gäste trafen, galt es für sieben Teams ernst. Sie konnten zum Abschluss des Events zeigen, was man mit SAPs Software und Schnittstellen in kurzer Zeit bauen kann. Dabei galt es, möglichst marktfähige Produkte auf Basis von Blockchain, Machine Learning, Internet of Things und SAPs Cloud zu entwickeln.
Der Herausforderung stellten sich sieben Gruppen. Diese stammten von Schweizer Hochschulen, SAP-Kunden und -Partner.

Sturzalarm von Pax

Die Entwickler vom Versicherer Pax entwickelten ein Alarmierungssystem für Pfleger in Altenheimen. Mit Hilfe Sensoren im Handy und Positionsbestimmung zeigte das System, wo im Heim ein Klient gestürzt ist.
Der Clou: Mit Hilfe von Machine Learning lernt das System, wann jemand wirklich gestürzt ist und wann ein Bewohner eine Bewegung ausführte, die vom System fälschlicherweise als Sturz erkannt wird. In Zeiten wo sich immer weniger Pflegekräfte um mehr Bewohner kümmern müssen, könnte die Lösung eine sinnvolle Weiterentwicklung bestehender Produkte sein.

Swiss Smart Media & Swiss Post

Das Team von Swiss Smart Media und Swiss Post zeigten eine Anwendung der Dash-Buttons wie sie Amazon oder der Schweizer Online-Händler brack.ch anbieten.
Drückt ein Kunde auf den Knopf, wird über das Loranet der Post ein Dienstleister alarmiert, der die dreckige Wäsche abholt, wäscht und sauber zurückbringt. Ein mögliches Millionengeschäft. Das Team taxierte das Geschäftspotenzial auf über drei Millionen Franken pro Jahr.

HFTM Grenchen will Problem gefrorener Weichen lösen

Die Entwickler der HFTM Grenchen wollen die Wartung gefrorener Weichen erleichtern.
Quelle:

SAP

Mit Hightech wollte die Gruppe der HFTM Grenchen das lästige und teure Problem eingefrorener Weichen lösen. Sensoren messen an den Weichen die Temperatur. Unterschreitet diese einen Schwellenwert, wird über die Cloud bei den SBB (oder anderen Bahnbetreibern) Alarm ausgelöst.
Diese wissen dann, an welchen Ort in ihrem weit verzweigten Schienennetz Techniker die Weichen warten müssen. Über Datensammlung zu Wetter und Klima berechnet im Hintergrund ein Algorithmus die Wahrscheinlichkeit für einen Einsatz. Das soll zusätzlich bei der Einsatzplanung helfen.

Faire Kleidung dank ZHAW

Studierende der ZHAW entwickelten zwischen Montag und Mittwoch eine einsatzfähige Lösung für die Nachverfolgung der Wertschöpfungskette bei der Produktion von T-Shirts. Dabei scannt beispielsweise der interessierte Kunde mit seinem Handy und einer App im Ladengeschäft einen QR-Code am Waschzettel eines T-Shirts und erhält alle in einer Blockchain gespeicherten Daten über den Produktionsweg des Hemds.
Das Team der ZHAW zeigte, wie man die Wertschöpfungskette von T-Shirts nachverfolgen kann.
Quelle:

NMGZ

Mit der App könnte endlich dem Missbrauch in der Bekleidungsindustrie ein Riegel vorgeschoben werden. Es wäre klar, ob die Baumwolle von einer Plantage stammt wo die Pflücker fair bezahlt wurden und keinen verbotenen Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt wurden. Kunden wüssten, ob ihre Kleidung aus menschenwürdiger Produktion stammt oder aus einer Fabrik in Bangladesch, die nur auf den nächsten Brand oder gar ihren Einsturz wartet.
Verkäufer in Ladengeschäften könnten argumentieren, weshalb ihre fair produzierten Kleider vermeintlich so teuer sind. Unterm Strich wäre ein Mehrwert für alle Produzenten, Zulieferer, Händler und Kunden geschaffen.

Q-Perior vereinfacht die Schadensmeldung

Ein Szenario: Man fährt mit dem Auto an ein Sommerfest. Dort wird man von einem Hagelschauer überrascht und der Wagen sieht aus wie die Spenglerarbeit eines Anfängers.
Was folgt ist ein bürokratischer Aufwand. Bilder machen, die Versicherungsnummer heraussuchen, Kontakt mit dem Agenten aufnehmen, etc. Weshalb nicht einfach das demolierte Auto mit dem Handy fotografieren, das Bild über den Facebook Messenger an die Versicherung senden mit einem kurzen Text was passiert ist und für den Kunden ist alles erledigt.
Für den Versicherer wird die Arbeit ebenfalls leichter, da ein Machine-Learning-System das Bild bereits analysiert hat und gleich die wahrscheinliche Schadenssumme nennt. Dieses Szenario könnte Realität werden, wenn es nach dem Team von Q-Perior geht.

Datavard baut Datenbank für Autos

Dem Auto widmete sich auch die Gruppe von Datavard. Sie entwickelten auf Basis von Blockchain, Sensordaten von Autos und Schnittstellen zu Gebrauchtwagenplattformen eine Software. Diese zeigt einem potenziellen Autokäufer, Verkäufer oder Versicherer an, ob und wie gut der Wagen in Schuss ist und wie hoch sein Wert ist.
Dass die Entwickler die richtige Idee hatten, lässt sich auch daran messen, das bereits IT-Anbieter mit Hochschulen an vergleichbaren Lösungen forschen. Eine Firma ist Adnovum mit ihrem Car-Dossier.

Inpeek und die intelligente Müllentsorgung

Die Müllentsorgung verbessern will Inpeek. Die Entwickler präsentierten der Jury ein System, das mittels Sensoren in Mülleimern den Füllstand misst. Die volle Mülltonne wird auf einer Karte in einer App angezeigt.
Nutzer können sich melden und die Tonne leeren. Auf diese Weise werden nur Tonnen geleert, die auch wirklich voll sind und über Belohnungen könnten Bürger motiviert werden, sich an der Müllentsorgung zu beteiligen.

Heisse Diskussion um Top Drei

Den Teilnehmern des Hackathons war anzumerken, wie ernst sie es meinten, als sie am Mittwoch um 12 Uhr ihre Projekte einer Fachjury präsentierten. Aufgeregt waren alle. Und nicht immer ging alles glatt. Manche verhaspelten sich während der Präsentation. Andere stolperten über die Komplexität ihrer Lösung. So dass trotz massiver Vorbereitung nichts präsentiert werden konnte. Oder die Präsentation liess sich nicht starten.
SAPs Manager Mark Raben, CTO MEE und Maris Luisa Silva, Start-up Focus, Lead Market Enablement EMEA/ MEE, gaben den Entwickler-Teams Tipps für den finalen Pitch am Nachmittag.
Quelle:

NMGZ

Dennoch war die Fachjury beeindruckt. Sie zeigte sich überrascht über die gezeigten Lösungen. Der Reifegrad ihr technischer Stand und das Marktpotenzial waren hoch, wenn auch in unterschiedlichem Grad. Jedes Projekt hatte Stärken und Schwächen. Eine hitzige Debatte folgte.
Welche drei der sieben Projekte würde den Schnitt schaffen? Schnell einig waren sich die Jurymitglieder bei der Lieferketten-App der ZHAW. Die Versicherungslösung war spannend, doch das Geschäftsmodell überzeugte noch nicht recht. Die Lösung nur für eine Versicherung anbieten? Weshalb keine Plattform für alle Versicherer daraus machen?
Ein Juror setzte sich für die Sturz-App von Pax ein. Eine Jurorin brach eine Lanze für das Projekt für die Müllentsorgung von Inpeek. Für sie klar eine visionäre Lösung für eine Zukunft, in der durch KI und digitale Transformation viele Jobs wegfallen und die Menschen nach sinnstiftenden Aufgaben suchen werden.

The winner is...

16 Uhr: Es ist Pitch Time! Moderator Sascha Ruefer stellt die drei Kandidaten vor, die sich dem Publikum stellen dürfen. Dieses entscheidet wer als Drittplatzierter ein Spiel des FC Bayern live miterleben kann. Für Ruefer klar der beste Preis. «Ich würde gar nicht gewinnen wollen, sondern direkt den dritten Preis nehmen», scherzte der Moderator.
Dann lief die Uhr. jedes Team hatte vier Minuten, um das Publikum für seine Idee zu begeistern.
Am Ende lieferten sich die Gruppen der ZHAW und Q-Perior ein Kopf-an-Kopf rennen. Mit denkbar knappen Vorsprung gewann das Team von Q-Perior mit seiner Versicherungslösung. Die Entwickler dürfen dafür nach Berlin in ein Entwicklungszentrum von SAP. Auf den zweiten Platz schaffte es das Team der Lieferketten-App der ZHAW. Die Entwickler dürfen nach Heidelberg reisen und unterwegs den SAP-Standort in Walldorf besuchen.
Die Sieger-Teams des SAP Innojam 2018: ZHAW, Q-Perior und Datavard.
Quelle:

SAP

Das Bayern-Spiel darf sich das Team von Datavard ansehen. Ob sie Sascha Nuefer mitnehmen werden, war indes nicht zu erfahren. Zum Abschluss liessen sich die Teams von angereisten Eltern, Freunden und den Gästen feiern und den Abend ausklingen.


Das könnte Sie auch interessieren