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Weiterbildung als Anreiz für Fachkräfte: Ein wirksames Mittel?

CW: Inwieweit stellen Weiterbildungsmöglichkeiten Anreize für neue Mitarbeitende dar? Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht?
Schwarzenbach: Wir sponsern Weiterbildungen gross­zügig. Das erklären wir auch Kandidatinnen und Kandidaten in den Vorstellungsgesprächen. Das kommt an und wird auch genutzt. Eine weitere Mitarbeiterin hat letzten Herbst ein FH-Studium begonnen und wird von uns hierbei unterstützt. Das ist generell unsere Philosophie, dass wir den Mitarbeitenden die Chancen für Weiterbildungen geben, auch wenn wir Gefahr laufen, dass sie uns anschliessend verlassen und den nächsten Karriereschritt woanders gehen.
CW: Auch IT-Dienstleister haben grosse Mühe, passende Fachkräfte zu rekrutieren und zu halten. Wie betrachtet man das Thema Weiterbildung bei Netcetera?
Corsin Decurtins, CTO, Netcetera: Die Fachkräfte, die wir finden, sind sehr gut ausgebildet. Die Schwierigkeit besteht darin, überhaupt Leute zu finden. Bei den Ausbildungsgängen stellen wir Veränderungen im technischen Bereich fest, etwa bei der Cloud-Technik, wo wir mit dem Know-how teils hinterherhinken. Beim Projektmanagement gibt es Profile, die zum Teil verschwinden oder anders besetzt werden, beispielsweise durch agile Softwareentwicklung. In diesen neuen Organisationsformen müssen sich unsere Kolleginnen und Kollegen weiterbilden und Erfahrungen sammeln.
“Manche werden wohl Assessments fürchten„
Corsin Decurtins, Netcetera
CW: Wie erleben Sie das als Weiterbildungsexperte, Herr Marti? Welche Nachfrage verzeichnen Sie?
Markus Marti, Leiter Weiterbildung ZHAW School of Engineering: Wir verzeichnen einen Run auf Weiterbildungen, insbesondere in den Disziplinen der ICT. Hier registrieren wir seit rund fünf Jahren eine ansteigende Nachfrage. Während früher eine MAS-Klasse zwei bis drei Monate vor dem Start voll ausgebucht war, sind die Kurse heute auf viele Monate hinaus ausgebucht. Wir haben in manchen Informatik-Weiterbildungsstudiengängen Wartelisten von über einem Jahr. Auch bei den Weiterbildungsangeboten im Bereich Data Science müssen sich Interessierte ein bis zwei Jahre gedulden. Die Entwicklung zeigt, dass eigentlich viel mehr Leute das Bedürfnis haben, sich fortzubilden.
“Wir verzeichnen einen Run auf Weiterbildungen „
Markus Marti, ZHAW
CW: Wie gehen Sie damit um?
Marti: Für uns bedeutet dies, dass wir in unseren MAS-, DAS- und CAS-Studiengängen sehr viele Leute ausbilden. Wir stellen überdies fest, dass sich viele aus ICT-nahen Bereichen weiterbilden, um anschliessend in die ICT-Branche einzusteigen. Quereinsteiger sind daher ein grosses Thema bei uns und wir haben einige Angebote konzipiert, um 
gezielt diese Gruppe abzuholen. Auch diese Lehrgänge sind stets ausgebucht. Entsprechend werten wir den Bedarf in der Wirtschaft als sehr gross.
CW: Aus welchen Bereichen stammen die Quereinsteiger, die Ihre Kurse besuchen?
Marti: Die haben beispielsweise ein Studium im Ingenieurbereich wie Elektrotechnik oder Physik absolviert. Die gehen vermehrt in die ICT-Branche, da sie durch die Digitalisierung in ihren vorherigen Berufen der IT-Branche nahegekommen sind. Doch ihnen fehlt noch ein Basisrucksack in der ICT. Den können sie sich mit unseren Weiterbildungsangeboten füllen.
Quelle: Computerworld/ICT-Analytics


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