03.11.2016, 00:00 Uhr

Die Komplexität der Serverlizenzierung meistern

Von Torsten Boch, Senior Product Manager bei Matrix42

Im Wesentlichen wird die Komplexität der Serverlizenzierung von drei Aspekten erzeugt:1) Individuelle Verträge Während Clientsoftware zumeist von „der Stange“ gekauft wird, kommen im Rechenzentrum üblicherweise individuelle Verträge mit den Softwareherstellern zum Einsatz. Diese Verträge bilden die Grundlage für spätere Lizenzprüfungen. Die Lizenzmodelle der Hersteller für Serversoftware sind sehr komplex. Neben der Anwendung von bestimmten Formeln, kommen unter anderem auch unterschiedliche Berechnungen für virtuelle Server zum Tragen. Oracle etwa sieht das Thema Virtualisierung sehr differenziert und macht Unterschiede, je nachdem welche Virtualisierungstechnologie eingesetzt wird und wie sie konfiguriert ist. Die Tatsache, dass Lizenzmodelle auch nicht messbare Parameter enthalten, ist nur einer der Gründe für die Komplexität des Lizenzmanagements im Rechenzentrum. 2) Die Komplexität des Rechenzentrums an sich kombiniert mit der Komplexität der Lizenzierung Der Betrieb von Software im Rechenzentrum ist an sich schon äußerst kompliziert, vielschichtig und vor allem sehr dynamisch. Diese Vielschichtigkeit im Zusammenwirken mit den Lizenzmodellen führt dazu, dass nicht nur eine Recheneinheit betrachtet werden muss, um über die Lizenzpflicht Auskunft geben zu können. Tatsächlich müssen auch die Querbeziehungen und Seiteneffekte beachtet werden, wie etwa das Thema Multiplexing. Ein Beispiel: Bei einer userbasierten Lizenzierung von Servern, ist es sehr schwierig, die Bezüge zwischen den nutzenden Personen und Geräten bzw. der Serversoftware nachzuvollziehen. Mit den verschiedenen Betriebssystemen und Virtualisierungstechnologien, die in Rechenzentren im Einsatz sind, geht eine weitere Komplexitätsebene einher. Denn nicht nur bei Oracle, auch bei anderen Herstellern macht es einen Unterschied, wie die Virtualisierungen aussehen, welche Technologien verwendet, wie sie konfiguriert und betrieben werden. 3) Hohe Produktvielfalt Nicht zuletzt wird in Rechenzentren eine ganze Menge verschiedener Software unterschiedlicher Hersteller eingesetzt. Sowohl die Anzahl der Hersteller, als auch die der Produkte trägt massiv zur Komplexität bei. Die ständige Weiterentwicklung der Produktversionen bringt in der Regel auch Neuerungen in der Produktlizenzierung mit. Hier den Überblick zu behalten und mögliche Implikationen von geänderten Lizenzbedingungen zu erkennen sowie umzusetzen ist nicht einfach. Know-how Mangel Ein häufiges Problem und gleichzeitig auch ein Risikofaktor ist der Informationsmangel der Betriebsverantwortlichen im Rechenzentrum. Nicht selten haben sie kein oder wenig Wissen über die Regelungen der Verträge. So entstehen schnell große Lizenzierungsprobleme. Beispiel: Ein „Unlimited Agreement“ mit einem Hersteller erlaubt in der Regel nicht, dass alle Produkte für immer ohne Zusatzkosten genutzt werden können. Entweder ist es nur auf bestimmte Produkte bezogen oder schließt sie aus. Auf jeden Fall wird der Vertrag irgendwann enden und der Preis für eine Verlängerung wird sich auf die dann installierte Menge beziehen. Das wäre womöglich ein Ende mit Schrecken. Die technische Administration ist daher sehr genau darüber zu informieren, was die Verträge abdecken und was nicht. Datenerhebung im Rechenzentrum Ein ordnungsgemäßes Lizenzmanagement beginnt stets mit der Datenerhebung. Der Komplexität entsprechend gestaltet sich auch die Datenerhebung im Rechenzentrum aufwändiger als für Clientsysteme. Denn Rechenzentren sind segmentiert und eventuell regional verteilt. Der Zugriff auf die verschiedenen Plattformen ist stark eingeschränkt. Da Rechenzentren unternehmerische Dienste bereitstellen, muss die Ermittlung schonend und absolut störungssicher sein. Der Einsatz von „Agenten“ auf der Serversoftware wird gar nicht oder nur sehr ungern erlaubt. Dennoch müssen sämtliche Konfigurationsdaten zuverlässig ausgelesen werden – Hardware, Software, Virtualisierung, Abhängigkeiten, Zuordnungen, usw. Anders als im Clientumfeld bekommen die Scanner daher im Rechenzentrum einen klaren Auftrag, welches Produkt vermessen werden soll, wo sie dieses finden und welche Parameter ausgemessen werden müssen, damit aus den Daten eine valide Lizenzauswertung gemacht werden kann. Teilweise müssen dabei auch Betriebsdaten ausgelesen werden, wenn die Lizenzierung z. B. nach Transaktionen oder Datenvolumen bemessen wird. Und nicht zuletzt muss auch die Konfiguration der Infrastruktur dokumentiert werden. Welche Software läuft auf welchem Server? Welche Software, die auf verschiedener Hardware läuft, gehört indirekt zusammen? Gibt es Server, die zwar laufen, aber nicht genutzt werden, weil sie nur für den Notfall bereitstehen? Ganz besonders wichtig ist zudem die Zuordnung der Rechnereinheiten zur Organisation. Bei Unternehmen mit verschiedenen Gesellschaften können verschiedene Verträge vorliegen, die unterschiedliche Regelungen enthalten. Bei gemeinschaftlich genutzter Serversoftware liegt hier ein offensichtliches Problem vor! Selbst wenn die Server organisatorisch eindeutig zugewiesen sind, ist für den Systemadministrator oder den Lizenzverwalter vielleicht doch nicht alles klar. Da in Verträgen üblicherweise die Beteiligungsverhältnisse unter den Gesellschaften eine Rolle spielen, muss geklärt werden, welcher Server unter welchen Vertrag fällt. Transparenz schaffen SAM-Tools, wie etwa jenes von Matrix42, unterstützen die Lizenzmanagement-Verantwortlichen auf drei Ebenen. Zunächst bei der Ermittlung der Server und ihrer Zustände. Sie schaffen Transparenz darüber, welche Server vorhanden sind, auf welchem Host diese laufen und wie ihr Betriebszustand ist. SAM-Tools haben die Möglichkeit, über das Auslesen der Virtualisierungstechnologie Transparenz zu schaffen, um dann im zweiten Schritt in die Inventarisierung zu gehen. Auf dieser Ebene geht es darum, festzustellen, welche Hardware-Spezifikationen bei den einzelnen Maschinen vorhanden sind - gemeint sind Themen wie die Konfiguration der Maschinen, welche CPUs zugewiesen sind, welche Software läuft, etc. Diese Inventarisierung kann sehr tief gehen. Bei Oracle etwa werden im Rahmen der Inventarisierung auch die Oracle-Datenbankinstanzen durchleuchtet, Partitionen begutachtet und festgestellt, welche Datenbankoptionen installiert sind und welche genutzt werden, etc. Im dritten Schritt erfolgt die Verdichtung der Daten. Die Scandaten werden analysiert und der Lizenzbedarf entsprechend den Metriken der Hersteller festgestellt.Grenzen der Automatisierung Die Leistungsfähigkeit von SAM-Tools wird vor allem dort eingeschränkt, wo vorab nicht vollständig oder unsauber gearbeitet wurde. So muss die organisatorische und vertragliche Zuordnung der Serverinstanzen, inklusive der Veränderungsprozesse, akkurat und vollständig erfasst sein. Denn das lässt sich durch einen Scanner nicht ermitteln. Außerdem muss die Lizenzhistorie sauber erfasst sein, die Analyse und Aufbereitung der beschafften Lizenzen muss also vorhanden sein. Wichtig ist auch die Bewertung nicht messbarer Parameter (z. B. CAL, Multiplexing, Failover Instanzen). Nicht zuletzt gibt es Grauzonen in der Bewertung, was lizenzpflichtig ist, was nicht (z. B. Virtualisierung und Nutzung bei Oracle).Info:
http://www.matrix42.ch


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