Geschäftssinn im Blut

Mit einem guten Team zum Erfolg

Namhafte Kunden und der kürzliche Abschluss einer Finanzierungsrunde über 2 Millionen Schweizer Franken zeigen, dass die Jonglage dem Jungunternehmen um Geschäftsleiterin Sandra Tobler gelingt. Auch wurde Futurae Technologies vom Analystenhaus Gartner als «Cool Vendor 2018 in Identity and Access Management» ausgezeichnet. Der Risikokapitalist Andreas Göldi attestierte dem Futurae-Team kürzlich denn auch «ein sehr breites Verständnis vom Geschäft». Auch technisch ist es aus seiner Sicht «hervorragend aufgestellt».
Wie Mitgründerin Sandra Tobler erklärt, ergänzt sich das Team sehr gut – sowohl fachlich als auch kulturell und menschlich. «Das ist ein gros­ses Asset – gerade in der IT, wo oftmals eine sehr homogene Art von Leuten arbeitet.» Kreativität ist gefragt. Denn das Start-up wolle einen anderen Zugang zur IT-Sicherheit vermitteln. «Etwa indem wir Passwörter eliminieren, damit keine Reset-Probleme mehr bestehen, oder im Finanz­umfeld mit neuen Ansätze versuchen, Social-Engineering-Betrug zu verhindern.» Hierfür brauche Tobler Leute, die intrinsisch motiviert sind, Freude an der Thematik haben, etwas bewegen wollen, sehen, wo Potenzial besteht, und Wich­tiges von Unwichtigem trennen können. Auch ein fundiertes Industrie-Know-how brauche es dafür. Alles Weitere könne man dazulernen. «Zu einem gewissen Grad schaffen wir auch eine neue Industrie, weshalb wir stark daran interessiert sind, wohin unsere Reise geht.» Der Co-Gründerin zufolge steht dabei im Zentrum, welche Nutzer-Inter­faces es in der Zukunft geben wird oder wie Endgeräte künftig aussehen werden. Bestückt habe Tobler das Team deshalb mit Erfindern und Tüftlern mit Realitätsblick.
Von der intensiven Start-up-Welt erholt sich Sandra Tobler beim Kochen, Gärtnern und Musikmachen
Quelle: Markus Senn
Ein wichtiges Thema sei für sie in diesem Zusammenhang auch Diversität, die gerade in der IT einen Mehrwert für die Qualität bringe. «Leider findet sich in der Industrie – und noch mehr in der IT-Sicherheit – sehr wenig Vielfalt von Ansichten und Ansätzen.» Wenn man den neuen digitalen Gefahren gerecht werden wolle, sei es jedoch enorm wichtig, alle Leute anzusprechen, abzuholen und einzubeziehen. Um gegen diese Homogenität zu arbeiten, müssen aus ihrer Sicht deshalb vermehrt junge Talente aufgebaut werden – unabhängig von Hintergrund oder Geschlecht.

Wichtiges Kontrastprogramm

Bei der Arbeit ist Sandra Tobler viel unterwegs. Denn der Fokus liegt bei Futurae Technologies momentan auf den Märkten der Schweiz, Deutschland, Österreich und Grossbritannien. Und obwohl sich die Zürcherin nicht über mangelnde Arbeit beklagen kann, findet sie noch Zeit für den regelmäs­sigen Austausch mit anderen Gründerinnen und Gründern. Denn als Unternehmerin könne man sehr einsam werden, erklärt Tobler. Sie seien die einzigen Leute, die verstehen würden, wie der Alltag aussehe und mit welchen Problemen man konfrontiert werde. «Für das private Umfeld ist es oftmals nicht einfach, das nachzuvollziehen.» Für sie sei es deshalb wichtig, ein starkes Netzwerk von Entrepreneuren zu haben, die eine Firma mit einer vergleichbaren Maturität leiten. Zur Abwechslung leistet sich Tobler auch ein Kontrastprogramm mit Kochen oder Gartenarbeit, wie sie erklärt. Hauptsache radikal anders als ihr Arbeitsalltag. Ein Ventil sei für die Unternehmerin auch die Musik. Tobler singt in einer Band, die sich dem Desert Rock verschrieben hat.
Ein Start-up zu gründen, bedeutet aus ihrer Sicht, viel Arbeit auf sich zu nehmen und Leute zu ignorieren, die sagen, dass es unmöglich ist. «Es entspricht nicht jeder Person, sich auf diesen Wahnsinn einzulassen. Aber ich bereue es überhaupt nicht.» Sie habe viel Freiraum, könne eine Kultur prägen und mit ihrer täglichen Arbeit etwas bewirken. Das sei eine «extreme Bereicherung». Ob sie es sich aber vorstellen könnte, von der Selbstständigkeit nochmals in einen Konzern zu wechseln? «Ich weiss nicht, ob ich es mit dieser Erfahrung schaffen würde, nochmals zurückzugehen.»
Zur Firma
Futurae Technologies
ist ein ETH-Spin-off mit aktuell zehn Mitarbeitenden. Das Start-up bietet eine Authentifizierungs-Suite an, um beispielsweise Logins für das E-Banking oder Mobile- und Smart-Home-Geräte abzusichern. Bedient werden damit Unternehmen aus hochregulierten Industrien. 2018 nahm die Firma mit einer Finanzierungsrunde 2 Millionen Franken ein. Nun stehen die Weichen bei Futurae Technologies auf Wachstum. Zu den Kunden zählen Firmen wie die SIX Group oder eine der grössten Banken weltweit.


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