Kommunikation und Telefonie aus der Cloud

UCC aus der Cloud

PBX in der Cloud: Nach einer eher zähen Entwicklung in den vergangenen Jahren ist Bewegung in den Markt gekommen.
(Quelle: vectorfusionart / shutterstock.com)
Bis auf wenige Ausnahmen haben inzwischen die meisten UCC-Hersteller Angebote aus der Cloud im Programm. Panasonic entwickelt derzeit eine eigene Cloud-PBX. Carsten Samesch, Sales Manager DACH, hofft auf einen Start im nächsten Jahr. Warten müssen auch noch die Kunden von Auerswald. Ursprünglich sollte deren Cloud-PBX dieses Jahr auf den Markt kommen, nun verschiebt sich der Start wohl auf 2019. Nur Tiptel gibt auf Nachfrage an, man plane in absehbarer Zeit keine eigene cloudbasierte Telefonanlage. Diese Hersteller vertrauen (noch) darauf, dass die deutschen Unternehmen an ihrer Zurückhaltung beim Thema Cloud-Telefonie festhalten. Mit ihren 3 Prozent bewegt sich die Marktdurchdringung von Telefonanlagen aus der Cloud hierzulande weit hinter dem europäischen Spitzenreiter Grossbritannien mit 13 Prozent.
In den kommenden vier Jahren soll der Markt aber deutlich wachsen: In Deutschland auf immerhin 8 Prozent und in Kontinentaleuropa auf 18 Prozent; Grossbritannien soll mit 27 Prozent das Ranking in ­Europa weiter anführen und seinen Anteil damit mehr als verdoppeln.
Andere UCC-Hersteller sind - auch wenn der Cloud-PBX-Markt sich bislang deutlich langsamer entwickelt als von den Marktteilnehmern vermutet - in ihrer Cloud-Strategie bereits deutlich weiter. Starface zum Beispiel ist schon 2013 mit Starface Flip gestartet. Seither bietet der Hersteller seine Unified- Communications-and-Collaboration-Lösung in drei Varianten an - als Appliance, als virtualisiertes System oder als Managed Service aus der Cloud. Die Angebote sind dabei mit der Starface-Appliance identisch.
Nun startet der Hersteller aus Karlsruhe eine weitere Variante: Starface Up ist eine Lösung aus der Public Cloud mit einem deutlich abgespeckten Funktionsumfang. Sie richtet sich vor allem an ­Start-ups und wird überwiegend online angeboten. Der Hersteller steigt damit in den Direktvertrieb ein. Gleichwohl können auch Partner das neue System anbieten.
Lösungen aus der Public Cloud haben inzwischen auch Alcatel-Lucent Enterprise (Rainbow), Unify (Circuit), Swyx (SwyxOn) und Agfeo (AgfeoTel) im Sortiment.

Bewegung bei SIP-Trunk

Entwicklungspotenzial gibt es auch in Sachen SIP-Trunk: SIP-Trunking verbindet die Telefonanlage mit dem Internet und empfiehlt sich als Sprungbrett von der ISDN- in die VoIP-Welt. SIP-Trunking erlaubt es Unternehmen, ihre bestehende PBX-Infrastruktur aufzurüsten, um VoIP-Funktionalitäten zu nutzen. Bislang haben die meisten Hersteller gezögert, hier in den direkten Wettbewerb zu den SIP-Providern zu gehen, das heisst zu den Telekommunikationsunternehmen, die Unternehmen SIP-Trunking zur Verfügung stellen. Sie setzten eher auf Koopera­tion statt Konfrontation. «Kunden und Partner haben in der Regel bereits SIP-Trunk-Provider, mit denen sie gern ­zusammenarbeiten», erklärt Thomas Schmieske, Channelhead bei Unify Deutschland. Unabdingbare Voraussetzung sei allerdings, dass der jeweilige Provider für die Cloud-Lösungen des Herstellers zertifiziert ist.
Auch beim Sindelfinger Hersteller Innovaphone setzt man auf Zertifizierungen und möchte in möglichst allen Regionen und Ländern eine Anzahl an Providern listen, deren Lösungen auf Interoperabilität mit den eigenen Systemen geprüft worden sind.
In der Zwischenzeit haben sich einige Hersteller aber anders besonnen und bieten Komplettlösungen an. Zu diesen gehört beispielsweise Avaya. Das Unternehmen hat vom einfachen SIP-Trunk bis zum internationalen MPLS (Multiprotocol Label Switching) das gesamte Spek­trum an Netzinfrastruktur im Programm.
Starface startete vor gut zwei Jahren mit einem eigenen SIP-Trunk (Starface Connect). Und Alcatel-Lucent Enterprise hat für die Rainbow Voice - seine neueste virtuelle PBX aus der Cloud - ebenfalls einen SIP-Trunk im Bundle. Allerdings wird Rainbow Voice noch nicht in Deutschland vermarktet, sondern derzeit nur in Indonesien, Singapur, Grossbritannien, Irland und Israel. Wann sie hierzulande gelauncht wird, ist offen. Auch Swyx hat einen eigenen SIP-Trunk angekündigt. Die Lösung Swyx Trunk wird laut Marketing­leiter Harald Bender kurzfristig für die Vermarktung zur Verfügung stehen.

Waltraud Ritzer
Autor(in) Waltraud Ritzer


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