Firmenfachbeitrag 16.09.2019, 08:45 Uhr

SAP S/4HANA für die nächsten 20 Jahre?

Für SAP-Anwender ist klar: Bis Ende 2025 müssen sie ihre SAP-ERP-6.0-Systeme auf die neuste ERP-Generation des Software-Herstellers, SAP S/4Hana Enterprise Management, umgestellt haben.
(Quelle: Patrick Meier )
Dieses durch den Software-Hersteller fix vorgegebene Ablaufdatum mag im ersten Moment durchaus Fragen betreffend Kundenfreundlichkeit aufwerfen.
SAP-ERP-Systeme sind populär hierzulande. In der Schweiz verfügt der Walldorfer Konzern heute über eine im globalen Vergleich enorm hohe Marktdurchdringung, da neben Grossunternehmen aus Industrie und Handel auch zahlreiche mittelständische und kleinere Unternehmen auf betriebswirtschaftliche Lösungen der SAP setzen. Auch in Verwaltungen und Organisationen der öffentlichen Hand sind SAP-Systeme weitverbreitet und dafür sprechen diverse gute Gründe. Die Terminkalender der meisten SAP-Kunden sind derzeit mit Besprechungsterminen gefüllt, deren Betreffzeilen Projektnamen wie «Move to SAP S/4HANA», «SAP Greenfield», «SAP S/4HANA@xyz» oder ähnlich tragen. Was verbirgt sich hinter diesen Meetings?
Es geht darum, den Umstieg von den bestehenden SAP-ERP-6.0-Systemen und sogar noch die Migration einzelner SAP-R/3-Systeme auf die neuste ERP-Version des Weltmarktführers aus Baden-Württemberg zu planen. SAP-Anwender wissen seit einiger Zeit: Ab dem 1. Januar 2026 wird SAP S/4Hana als einzige Version der grossen SAP-ERP-Software weitergeführt (SAP BusinessOne und SAP Business ByDesign sind dieser Regelung nicht unterstellt).

Der 31. Dezember 2025 als Deadline

Bei nahezu jedem Erstgespräch zum Thema SAP-S/4Hana-Migration werden kundenseitig zuerst einmal ausgesprochen kritische Voten vorgebracht und zählen zur Tagesordnung: «Die bestehende Lösung läuft ja einwandfrei, warum muss denn zwingend gewechselt werden? Und weshalb werde ich mit einem fixen Ablaufdatum von der Software-Herstellerin dazu genötigt, die Umstellung zu realisieren?»
Bei unserer Vorbereitung auf solche Termine notieren wir deshalb vorab die Geschichte der bestehenden Systemlandschaft. Oftmals erfassen wir dabei in Telefongesprächen und Skype Sessions Informationen analog des nachfolgend aufgeführten Auszugs:
«Aha, 1998 SAP R/3 auf Release 3.1I eingeführt. Release-Upgrade auf 4.6C im Herbst 2001 und danach auf 4.7 im Winter 2003, gefolgt von der Lizenzanpassung mit einem Release-Upgrade auf ERP 6.0 im Frühjahr 2006. Seither weiter mit Enhancement Packages, derzeit auf ERP 6.0 EHP7 …»
Präsentieren wir diese Informationen später sorgfältig auf einer Zeitachse dargestellt, dann führt das regelmässig zu amüsierten und gleichzeitig nachdenklich-überraschten Gesichtern, die man sonst fast nur von Feiern zu runden Geburtstagen her kennt. Zahlreiche SAP-ERP-6.0-Systeme in ihrer aktuell verwendeten Form sind nämlich bereits seit 20 Jahren und länger im Einsatz! Ihren heutigen Stand haben diese Systeme somit rein über Release-Upgrades erlangt. Betrachten wir dazu die organisatorische Entwicklung unserer Kunden über diesen Zeitraum hinweg, so eröffnen sich vielerorts höchst faszinierende Unternehmensgeschichten, die den enormen Wandel widerspiegeln, den wir aus gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und technologischer Sicht in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten erlebt haben.

Das ERP-System für die nächsten 20 Jahre?

Fast schon utopisch muss es erscheinen, wenn wir heute darlegen, mit SAP S/4Hana somit ein System zu implementieren, das auch in 15 oder 20 Jahren das administrative Zentrum aller betriebswirtschaftlich relevanten Aufgaben innerhalb einer Organisation sein wird.
Wer kann in der Wirtschaftsinformatik schon konkrete Aussagen dazu treffen, wo wir im Jahr 2040 stehen werden?
Für SAP-S/4Hana-Systeme dürfte eine solche Entwicklung aber effektiv eintreffen. Das bestätigt der Blick in die Vergangenheit und dabei geht es uns wohl allen gleich. Die Zeit seit der Jahrtausendwende scheint im Flug vergangen zu sein, während der Blick auf die nächsten 20 Jahre und damit für viele Leserinnen und Leser der Gedanke an das eigene, näher rückende Pensionsalter noch derart weit entfernt liegt, dass man sich heute noch kaum damit auseinandersetzt.
SAP steht nicht nur für eine ausgeprägte und bisweilen sehr dynamische Innovationskraft, sondern auch für eine in Software-Unternehmen nahezu einzigartige Planungssicherheit. Davon haben durch SAP R/3 weltweit Zehntausende Unternehmen über die letzten rund 25 Jahre hinweg profitiert und es darf durchaus angenommen werden, dass diese Planungssicherheit auch für die neue ERP-Epoche unter SAP S/4Hana Bestand haben wird. Unabhängig davon, in welcher Form und mit welchem Inhalt digitale Innovationen künftig in unser Leben getragen werden: Am Ende des Tages wird immer das sichere und wirtschaftliche Zusammenführen von Informationen, Prozessen und Personen im digitalen Kern unserer Unternehmen und Verwaltungen erfolgsentscheidend sein.

Aus der Herkunft auf die Zukunft schliessen

Basierend auf den vergangenen rund zweieinhalb Jahrzehnten SAP R/3 und SAP ERP 6.0 dürfen wir somit durchaus folgern, dass SAP auch in 20 Jahren da sein wird, wo sich Ihr Unternehmen und Ihre Verwaltung dann befinden wird.
Diese Betrachtungsweise ist von zentraler Bedeutung, wo immer wir zusammen mit unseren Kunden Konzepte betreffend Zeitpunkt, Methoden und künftigem Betriebsmodell für deren eigenen Weg hin zu SAP S/4Hana erarbeiten. Entsprechend wichtig ist es deshalb, den eigenen Zukunftsentwurf frühzeitig konkret anzugehen und in SAP S/4Hana nicht einfach einen fast schon aufgezwungenen Systemwechsel zu sehen, sondern darin eine äusserst wertvolle Grundlage für die eigene Geschäftsentwicklung während den kommenden Jahren und Jahrzehnten auszumachen. SAP S/4Hana ist schliesslich nicht nur das organisatorische «System of Record», sondern befähigt und beflügelt als «System of Innovation» bereits heute digitale Innovation und Effizienz, wie dies kaum eine andere ERP-Lösung zu leisten vermag.

Wie überall gilt: Es führen mehrere Wege zum Ziel

Die projektbezogenen Aufwände einer Umstellung von SAP ERP 6.0 auf SAP S/4Hana sind mittlerweile nach entsprechender Analyse in den meisten Fällen klar berechenbar. Während wir für den evolutiven Unterhalt von SAP ERP 6.0 grössten Wert auf Kontinuität legten und folglich die Weiterentwicklung dieser Lösungen mittels Enhancement Packages realisiert haben, stehen bei der Entwicklung hin zu SAP S/4Hana mehrere Wege offen. Dabei ist besonders zu erwähnen, dass neben einer Brownfield-Migration der bestehenden Systeme auch die Option Greenfield, also eine Neueinführung nach SAP-Activate-Projektmethodologie genau zu betrachten ist. Erinnern wir uns daran: Viele heute produktiv verwendete SAP-ERP-Systeme sind bereits seit bald zwei Jahrzehnten oder noch länger im Einsatz. Diese Systeme beinhalten häufig eine umfangreiche Historie aus Prozess- und Datenelementen, die in der heutigen und künftigen Organisation nicht weiter benötigt werden. Eine Greenfield-Umstellung auf SAP S/4Hana bietet somit auch eine Chance, historische Altlasten zu entsorgen und das neue ERP-System basierend auf aktuellen und künftigen Anforderungen neu aufzubauen, ohne dass dabei aber bezüglich Funktionalität, Stabilität und Anwenderfreundlichkeit Kompromisse eingegangen werden müssen.
Sehr spannend bei dieser Betrachtung ist auch die Frage nach dem künftigen Betriebsmodell. Ob ein Greenfield-Projekt als kundenspezifisches System aufgebaut wird (eigene Systeme oder Hosting-Partner) oder ob die funktionalen und integrativen Anforderungen auch in einer Variante der SAP-Cloud-Angebote abgebildet werden können, lässt sich dank der SAP-Activate-Projektmethodologie nach dem Vorprojekt abschliessend und rechtzeitig für einen Entscheid beantworten.

Je früher die Abklärung erfolgt desto besser

Wir empfehlen all unseren Kunden, ihre eigenen Vorabklärungen so frühzeitig wie möglich anzugehen. Wer sich mit diesem Gedanken einmal vertraut macht, dabei erfährt, welche Vorteile SAP S/4Hana heute bietet und wie die eigenen Optionen hin zu dieser Lösung aussehen, der kann sich danach in Ruhe an die Planung machen und sich nicht zuletzt auch die benötigten Ressourcen für den bestpassenden Zeitpunkt reservieren.
Ob in der Cloud oder als eigenständiges System: SAP S/4Hana wird erwartungsgemäss wieder auf lange Zeit hinaus zum betriebswirtschaftlichen, digitalen Kern zahlreicher Unternehmen, genauso wie von Organisationen der öffentlichen Hand werden.
Zum Autor
Patrick Meier
Innflow AG
Patrick Meier ist Co-Managing Director, Senior Partner. Er beschäftigt sich seit bald 25 Jahren mit den marktpolitischen, betriebswirtschaftlichen und technischen Entwicklungen, die den wirtschaftlichen Strukturwandel weltweit in immer neue Dimensionen vordringen lassen. Seit mehr als 20 Jahren erfolgt sein Engagement im SAP-Umfeld, wobei er sich seit 2004 als Mitbegründer der Innflow AG auf die Geschäftsentwicklung unseres Unternehmens konzentriert.
Zum Unternehmen: Die in Rotkreuz ZG domizilierte Innflow AG ist einer der landesweit führenden Anbieter für die Gestaltung, Implementierung und den Betrieb SAP-zentrischer Informationssysteme. Wir begleiten unsere Kunden weltweit über den gesamten Lebenszyklus ihrer SAP-Systeme hinweg und verhelfen ihnen beim Einsatz ihrer SAP-Lösungen zu Spitzenleistungen.
Mehr Informationen: www.innflow.com
Dieser Beitrag wurde von der Innflow AG zur Verfügung gestellt und stellt die Sicht des Unternehmens dar. Computerworld übernimmt für dessen Inhalt keine Verantwortung.

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