Computerworld vor 30 Jahren 18.12.2018, 15:12 Uhr

Die Vorboten der Cloud

Die Vernetzung mit Token Ring und ISDN, Mainframes als Datenquelle und Microsofts Mail für den Datenaustausch waren Vorboten der Cloud im Computerworld-Jahrgang 1988.
Die Computerworld-Grafik sollte das Ende der Grossrechner illustrieren
(Quelle: Verena Stummer )
Das Internet steckte vor 30 Jahren noch in den Anfängen. Vernetzt war hauptsächlich die Wissenschaft – in der Schweiz seit 1988 über das Hochschulnetzwerk «Switchlan». Es verband zunächst nur die beiden ETH-Standorte Lausanne und Zürich sowie das CERN. Die .ch-Domain war zu diesem Zeitpunkt zwar bereits registriert, aber noch nicht öffentlich verfügbar. Erst nachdem alle Universitäten und Hochschulen ihre Internetadressen bezogen hatten, wurden Aufträge von Unternehmen angenommen – notabene eine Adresse pro Firma. Global tätigen Schweizer Konzernen nützte aber eine eigene Adresse zunächst wenig. Denn erst drei Jahre später wurde .ch bei den Root-Nameservern hinterlegt, sodass sie von jedem Standort weltweit erreichbar waren.
An eine kommerzielle Nutzung des Internets abseits von Informationsverteilung und Werbung war noch nicht zu denken. Die Hardware war teuer, die Transferraten zu gering und die Zugangskosten zu hoch.

Token Ring – der Standard

Dennoch waren die Computer in Schweizer Firmen natürlich 1988 bereits vernetzt. Die federführend von IBM Research Zürich entwickelte Token-Ring-Technologie war der Standard, berichtete Computerworld in seiner Wochenausgabe vom 11. Januar 1988. Die Kollegen schreiben ausserdem von einer «düsteren Zukunft» für den Hauptkonkurrenten Ethernet: Der Marktforscher Yankee Group erwartete, dass sich der Marktanteil von Ethernet binnen Jahresfrist halbiert – auf 16,2 Prozent. Die einzige Bremse für Token Ring seien die Lieferschwierigkeiten. Jedoch versprach Big Blue in der Zeitung, die Probleme bis zum Ende des ersten Quartals im Griff zu haben.
Ende 1988 kam es zu einer «Revolte der Winzlinge»: Die kleineren Anbieter von Token Ring gründeten die «Open Token Foundation», um die Technologie aus den «IBM-Fängen zu befreien und als offenen Standard zu etablieren». Zu den Unterstützern zählten durchaus nicht nur Nischenanbieter: Unter anderem 3Com, Apollo Computer, Intel, NCR, Texas Instruments und Wang Computer bildeten die Allianz. Sowohl IBM als auch die Unternehmen der Foundation liessen Token Ring Ende der 1990er-Jahre fallen und setzten auf Ethernet – eine der Grundlagen des heutigen Cloud Computings.


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