Das stille Ende einer Revolution

Kontinuierliche Evolution

Die Form und Technik des optisch eher robusten Axento fielen aus dem Rahmen. Es konnte mit einem Notebook direkt über ein Kabel kommunizieren und benötigte dazu keine PCMCIA- oder PC-Karte. Das ersparte lästige Fummeleien mit Karte und Antenne. Man musste lediglich die mit dem Kabel mitgelieferte Ascom-Software auf dem «Schlepptop» installieren und ab ging es via Axento ins Internet
Quelle: altehandys.de
Bereits in den 1990er-Jahren entstand die Idee, via Sensoren erfasste Messdaten über öffentliche Mobilfunknetze zu übertragen. Dies ist bis heute besonders an Orten von Interesse, an denen keine Festnetzleitungen vorhanden sind. So sind in der Schweiz vorwiegend auf den alten GSM-Netzen mehrere Hunderttausend SIM-Karten nur für kurze Datenübermittlungen im Einsatz. Oft wird nur ein Datensatz pro Tag übertragen, etwa für Wetterdaten, Wasserstände, Temperaturen oder Füllstände in Anlagen und Automaten. Auch die wegen des Klimawandels zunehmend wichtige Überwachung von Felsbewegungen gehört dazu, wobei die Messungen hier laufend und nicht nur sporadisch erfolgen.
Diese Anwendungen fasst man unter dem Begriff M2M-Kommunikation zusammen (M2M: Machine-to-Machine). In der M2M liegen auch die Wurzeln des Internets der Dinge (Internet of Things, kurz IoT). Auch wenn man beim Design von GSM und UMTS das Thema IoT für Science-Fiction hielt, so wächst dieser Bereich doch stetig. Und die damals noch quälend langsame Datenübertragung reicht für M2M aus. Dazu werden spezielle Daten-SIM-Karten verwendet.

Anzahl betroffener Nutzer unklar

Nun also verabschieden sich zumindest Salt und Swisscom von GSM, weil die frei werdende Funkkapazität dringend für 4G und 5G benötigt wird. Denn beide von GSM genutzten Frequenzen (900 MHz und 1800 MHz) eignen sich zur Erschliessung von Gebäuden, besonders die tiefere. Man wird jedoch den Eindruck nicht los, dass die Abschaltung kaum jemanden zu interessieren scheint, was an der Realität jedoch vorbeigeht. Das mag daran liegen, dass der Anteil des Sprachverkehrs am Gesamtverkehr verschwindend klein ist und der GSM-Datenverkehr – mangels möglicher Volumina – ebenfalls sehr überschaubar ist.
So sind es Anhänger von Klassikern wie dem 1999 eingeführten Handy Nokia 3210, das vor einiger Zeit nochmals neu aufgelegt wurde und mit dem 3310 sogar einen Nachfolger erhielt – mit Farbdisplay und extra grossem Akku, 2-Mpx-Kamera, MP3-Player und weiteren Features. Nokia blieb bei der puren 2G-Konnektivität und dem klassischen Design nach dem Motto: telefonieren, SMS schicken und Snake spielen. Insbesondere wenig technikaffinen Nutzern reicht das völlig aus (etwa 8–10 % aller Voice-Nutzer). Aufgrund der International Mobile Equipment Identity (IMEI) des Endgeräts wissen die Netzbetreiber bei Voice sehr genau, welche Endgeräte ausschliesslich mit GSM funktionieren. Deren Nutzer werden per SMS auf das Ende von GSM hingewiesen. Bei Data sieht es jedoch düster aus und auch Voice kommt nicht ohne Beulen davon.
In der Schweiz müssen sich gemäss Parlamentsbeschluss vom Oktober 2004 alle Nutzer einer Prepaid-Karte registrieren lassen. Betroffen waren SIM-Karten, die ab November 2002 in Betrieb genommen wurden, womit immerhin 2,3 Millionen vor diesem Stichtag registrierte SIM-Karten nicht erfasst sind. Dazu zählen eine grosse Anzahl reiner Daten-SIM-Karten, die interessanterweise nicht erwähnt werden, obwohl sie die Mehrzahl ausmachen dürften. Zudem wurde bis Ende 2019 die Registrierung neuer SIM-Karten bei weniger seriösen Verkäufern eher lasch gehandhabt, bis teils empfindliche Bussen verhängt wurden. Somit sind Hundertausende nicht registrierte SIM-Karten im Umlauf, was die Schätzung erschwert, wie viele Nutzer von der GSM-Abschaltung effektiv betroffen sind. Absolute Zahlen zu den betroffenen Kunden werden von keinem Schweizer Anbieter genannt.


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