Kreditkarte 27.06.2019, 06:16 Uhr

Neon: die Schweizer Internet-Bank im Test

Neon möchte wie Revolut sein, aber mit helvetischen Qualitäten. Der Grad des Scheiterns ist fast schon beeindruckend.
(Quelle: NMGZ / ze )
Die altehrwürdigen Banken stehen vor einem ernsten Problem im Geschäft mit den Privatkunden. Zwar braucht jeder von uns in irgendeiner Form ein Geldinstitut. Aber kaum jemand braucht eine Bankfiliale oder sogar einen Banker. Nur das Konto, bitte.

Das (mutmassliche) Vorbild

Diesen Umstand macht sich unter anderem die britische Internet-Bank Revolut zunutze, die unterdessen eine beachtliche Popularität erreicht hat, auch in der Schweiz: Es gibt nur die App und die Kreditkarte – aber keine Filialen, Prospekte und Banker. Das funktioniert hervorragend, denn die App erfüllt die wildesten Wünsche in Echtzeit, bietet unschlagbar tiefe Kurse und absolute Transparenz. Vor allem aber sind die App, (Fremdwährungs-) Konten und andere elementare Dienste kostenlos. Stattdessen verdient Revolut sein Geld mit Dienstleistungen, die über diese Basis-Funktionen hinausgehen.
Allerdings gibt es auch bei Revolut (noch) einige Schönheitsfehler. So besitzt das junge Unternehmen zurzeit nur eine litauische Bankenlizenz für Europa. Es gibt keinen Einlagenschutz in der Schweiz. Und weil Revolut in England beheimatet ist, schwingt stets ein Hauch von Brexit mit – auch wenn immer wieder beteuert wird, dass man auf diese Situation bestens vorbereitet ist.

Was ist Neon?

Neon gibt sich zwar vom Auftritt her ähnlich frisch und unverbraucht wie Revolut, aber hinter den Kulissen ist die Situation eine andere. Die App und das ganze Drumherum stammen zwar vom gleichnamigen Jungunternehmen, doch die Kontoverwaltung obliegt der Hypothekarbank Lenzburg. Es handelt sich dabei also um ein klassisches Schweizer Konto, das nur über App erreichbar ist. Auch Filialen gibt es keine. Hingegen sind die Einlagen bis 100’000 Franken geschützt – genauso, wie man es von einer «richtigen Schweizer Bank» eben erwartet.
Die quietschbunte Website verspricht «Ultraschnell» – und genau so muss eine Bank sein!
Quelle: Screenshot / ze / Neon
Konto und Kreditkarte
Die Kontoführung ist bei Neon kostenlos, genauso wie die zugehörige Mastercard. Sie ist direkt mit dem Konto verknüpft und nimmt damit die Rolle der bestens bekannten Maestro-Karte ein. Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine klassische Kreditkarte, denn Kontoüberzüge sind nicht möglich – «es hät, solangs hät». Demzufolge fallen auch keine horrenden Zinsen an. Die Karte ist (natürlich) NFC-fähig, kann also für das kontaktlose Bezahlen verwendet werden. So weit, so Revolut. Allerdings wird kein Apple Pay oder Google Pay unterstützt; beides soll irgendwann nachgereicht werden.
Weil es sich bei Neon um ein klassisches Schweizer Bankkonto handelt, kommt es mit einer eigenen IBAN, während sich alle Revolut-Inhaber in der Schweiz eine IBAN bei der Credit Suisse teilen. In der Praxis ist das unerheblich, denn Einzahlungen sind in beiden Fällen kostenlos. Allerdings gibt es alle Leistungen bei Neon ab 16 Jahren, was dieses Konto auch für Lehrlinge interessant macht, während ein Revolut-Konto erst ab 18 Jahren zu haben ist. Die Altersgrenze von 18 Jahren gilt übrigens auch für die Bank Zak von Cler, die wir hier unter die Lupe genommen haben.


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